Ausgabe 3/2015

    Dunkel war’s, der Mond schien helle ...

    Dunkel war’s, der Mond schien helle ...

    Dunkel war’s, der Mond schien helle ... Thomas Klefisch Dunkel war’s, der Mond schien helle ...

    Hey Dumpfbacken, in Sachsen und anderswo, mal ehrlich: Wisst ihr überhaupt, wie viele Latten am Zaun euch fehlen? 
Vor 25 Jahren haben wir ein paar Tausend politisch Verfolgten und 17 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen in der BRD Asyl gegeben. Jeder erhielt erst einmal Begrüßungsgeld, danach dann sofort Sozialhilfe und später Hartz IV. Manche leben
bis heute davon. Vom Soli, den wir bis heute zahlen, ganz zu schweigen. Jetzt habt ihr die größte Lidl-, Aldi- und Media-Markt-Dichte der Welt und trotzdem fürchtet ihr euch, syrische Bürgerkriegsflüchtlinge kaufen euch den Supermarkt leer und die Flachbildfernseher weg.

    Oder habt ihr einfach Sehnsucht nach der Mauer – wegen des Gefühls von Sicherheit und Geborgenheit? Dumpfbacken und Nazis sind übrig geblieben, als alle, die klug genug waren, aus dem Tal der Ahnungslosen abgewandert sind. Leider sind die Zurückgebliebenen zurückgeblieben. Und wie. Die Evolutionsbremsen von Heidenau sehen noch haargenau so aus wie 1989? Habt ihr 25 Jahre im Bunker verbracht und seid jetzt wieder ans Tageslicht gekommen? Hat euch damals irgendwer gesagt, ihr sollt euch verstecken, er sagt Bescheid, wenn die Gefahr vorüber ist? Und ist dann selber abgehauen? Um jetzt als gescheiterter, aber rechter Hetzer wiederzukommen und mit euch gegen traumatisierte Kurden zu brüllen? Ihr schimpft auf alle, aber am meisten auf Wirtschaftsflüchtlinge. Leute, die nicht aus politischen Gründen fliehen, sondern weil sie erfolg- wie perspektivlos sind, auf der Suche nach einem besseren Leben. Wie ihr also. Oder wie Bastian Schweinsteiger, Franz Beckenbauer oder Sebastian Vettel. Welche Promis bewundert ihr denn sonst so? Alle mit Steuerwohnsitz im Ausland?

    Übrigens: Auch Türken können Rassisten sein. Mein türkischer Friseur sagte kürzlich: „Deutschland kann doch nicht noch mehr Ausländer aufnehmen.“ Ich: „Wie redest du denn? Du bist doch selbst Ausländer?“ Er, empört: „Ich bin doch kein Ausländer. Ich bin Türke.“ Dunkeldeutschland.

    ROBERT GRIESS