Der Sprachwart

    Die Experten

    Die Experten

    Was gilt in Medienbeiträgen noch jemand mit Meisterbrief, Diplom, Doktor- oder Professorentitel? In Interviews, Gesprächsrunden und Artikeln wird er uns als ein Experte vorgeführt. Das ist der mediale Ritterschlag für Leute vom Fach, sogar für Koryphäen der Wissenschaft. Erst wenn Akademiker von journalistischer Seite zum Experten oder gar Fachexperten gekürt worden sind, bekommt das Gesagte oder Geschriebene Gewicht – glauben manche Medienleute.

    Was besagt schon das schlichte Wort Meteorologe? Wetterexperte, das klingt gleich ganz anders. Und so erfahren tagtäglich Sachverständige eine scheinbar schmeichelhafte Rangerhöhung. Wenn ein Journalist es ganz gut mit ihnen meint, dann spendiert er noch ein schmückendes Beiwort: anerkannter, angesehener, renommierter usw. Das beliebte Attribut »erfahren« ist allerdings eine ungewollte Doppelung; denn es steckt schon in dem lateinischen Ursprungswort expertus.

    Inzwischen übersteigt die Nachfrage das Angebot, und da kommen natürlich auch Trittbrettfahrer zum Zuge. Es gibt wohl keinen Bereich des politischen oder wirtschaftlichen Lebens ohne Leute mit Google-Abitur, die sich für Experten halten oder gehalten werden. Ihre Kenntnisse fußen weniger auf Forschungen und solidem Wissen, sondern mehr auf dem, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Bei solchen Auguren muss man mit Gemeinplätzen und zweifelhaften Prognosen rechnen. Ob AstroTV-Experte oder Adelsexperte, ob Börsen-, Finanz- oder Währungsexperte oder der viel gefragte Terrorexperte – sie spekulieren ins Blaue hinein. Hinterher wissen sie allerdings glasklar, warum dieses oder jenes anders kommen musste. Nebenbei bemerkt, Expertenmeinungen sind käuflich, aber das steht auf einem anderen Blatt.

    Ein Blick ins Internet verrät, dass sich unser Modewort auch in der Geschäftswelt inflationär verbreitet. So nennt sich ein Hersteller von Plisseeartikeln stolz Plissee-Experte. »Vertrauen Sie Ihrem Wasserschaden-Experten«, wirbt ein Klempner. »Wir sind Ihr Experte für den Verleih von Kinderhüpfburgen und Fun-Geräten«, behauptet eine Verleihfirma. Wer ein Frühstücksbrettchen braucht, kann sich vertrauensvoll auf »Schneidebrett-Experte.de« beraten lassen. Möchte jemand mit Kurt Tucholsky bekennen »Mir fehlt ein Wort«, dann lohnt sich vielleicht eine Mail an Info@Wortschatz-Experte.de. Übrigens ganz schön verwegen, sich bei geschätzten 300.000 Wörtern so zu benennen.

    Experten (wer sonst) befürchten, wir könnten eines Tages im Meer des Expertentums ertrinken. Doch keine Sorge. Es ist zu seicht.

    Dietrich Lade