Der Sprachwart

    Die Bindestrich-Hasser

    Die Bindestrich-Hasser

    Manche Fernseh- und Rundfunksprecher mögen die Bezeichnung Bindestrich nicht einmal mehr in den Mund nehmen. Als modische Ersatzbezeichnung dient ihnen (und natürlich auch anderen Leuten) das Adverb minus. Wir nutzen es beim Rechnen, und dort gehört es auch hin. Dennoch wird beim Ansagen einer Internetadresse ein Bindestrich zwischen zwei Wörtern als minus bezeichnet: RBB minus online.de oder BR minus Klassik. Werden Zahlengruppen bei Autokennzeichen genannt, heißt es, um nicht Bindestrich sagen zu müssen, völlig unbekümmert: Trennung. Dabei besteht doch eher ein Verbundensein. Es gibt höchstens eine äußere Ähnlichkeit mit dem Minuszeichen. Was soll bei Adressen und Kennzeichen abgezogen werden? Vielleicht eine Schau.

    Bezeichnend für die allgemeine Unsicherheit ist ein „Gedankenaustausch“ in einem Internetportal für Mediengestalter (Zitate in Originalschreibung): „Hallo Leute! Wir haben gerade ein Streitthema bei uns in der Firma, vielleicht könnt ihr uns weiterhelfen. Schreibt man den Firmennamen zum Beispiel „Mustermann Werbung“ oder schreibt man „Mustermann-Werbung“?“ Die erste Antwort: „Also wir schreiben uns ohne.“ Die zweite: „Es kommt doch immer auf die Firma drauf an. Wenn die keinen Bock haben auf den Bindestrich, dann nicht!“ Die dritte: „Sinnig wäre es die Schreibweise zu nutzen die im Handelsregister eingetragen ist …“. Die vierte: „Ich würde auch ohne – arbeiten gibt da (hab ich so im Hinterkopf) eine Seite, die sich über Bindestrichwörter aufgeregt ...“ Die fünfte: „... Im Zweifelsfall würde ich’s ohne Bindestrich schreiben.“

    Es ist aber kein Zweifelsfall! Niemand in der Runde kam auf den Gedanken, ein Wörterbuch zu befragen. Der Hinweis auf das Handelsregister hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Während Standesbeamte bei der Schreibweise eines Vornamens im Zweifelsfall sagen, dass es so richtig sei, scheinen Gründer einer Firma bei Eintragung ins Handelsregister rechtschreiblich unberaten zu sein. Unbenommen davon, liegt die Verantwortung für sprachliche Korrektheit natürlich beim Namensgeber. Wer in der Schule nicht aufgepasst hat, redet sich leicht darauf hinaus, Regeln seien ein Korsett, es schränke die unternehmerische Freiheit ein. Vielleicht fordert sogar jemand nach bewährtem Vorbild: Freies Firmennamen-Schreiben für freie Bürger!

    Dietrich Lade