Der Sprachwart

    Ungeahnte Fähigkeiten

    Ungeahnte Fähigkeiten

    Danke Dietrich Thomas Klefisch Danke Dietrich!

    Eine »waffenfähige« Drohne wollen Deutschland und Frankreich laut Agenturberichten entwickeln. Wie kann sie zu etwas fähig sein? Fähigkeit wird definiert als geistige oder handwerkliche Anlage des Menschen, etwas zu bewerkstelligen. Für Lebloses gibt es andere Ausdrucksmöglichkeiten, so bei der elektronisch gesteuerten Drohne: waffengeeignet, waffentauglich, waffentragend, waffenführend, waffenbestückt oder einfach bewaffnet. Das alles verharmlost allerdings etwas den eigentlichen Sachverhalt: Es ist eine Kampfdrohne oder, deutlicher gesagt, eine Kriegsdrohne, so wie es ja auch Kriegsflugzeug oder Kriegsschiff heißt. In welchem Zusammenhang wäre dann »waffenfähig« angebracht? Beispiel: Im Mittelalter wurden Jungen mit etwa 15 Jahren waffenfähig. Und damit verantwortlich für ihr Tun (eine Drohne ist es nicht).

    Die Begriffe »Fähigkeit« einerseits und »Eigenschaft/Merkmal/Beschaffenheit« andererseits bedeuten Unterschiedliches. »Fähig« drückt aus, dass jemand etwas Bestimmtes tun kann, hat also aktiven Sinn. Menschen können handlungsfähig, erwerbsfähig, heiratsfähig sein. Dinge dagegen verhalten sich passiv, es sei denn, sie sind entsprechend programmiert. So ermöglichen es die Eigenschaften eines Jeeps, mit ihm auch im Gelände zu fahren; er ist also geländegängig.Haben Computer, Telefone oder andere technische Geräte Anschlüsse, so heißt es, sie seien anschlusstauglich oder -geeignet.

    Statt »-fähig« ist oft die (kürzere) Endsilbe »-bar« angemessen. Die hat einen passiven Sinn. Waren können lieferbar sein, Materialien dehnbar, Spenden steuerlich absetzbar, Maschinen abschreibbar, Waren exportierbar, fehlerhafte Erzeugnisse reparierbar oder reparabel. Textstellen sind zitierbar, Kleidungsstücke tragbar, Adjektive steigerbar. Salz ist streubar, ein Gegenstand transportierbar, Butter möglichst streichbar. Hoffentlich sagt nun niemand, die Liste der Beispiele wäre erweiterungsfähig. Die Fähigkeit hat sie beim besten Willen nicht; aber von jemandem erweiterbar, das ist sie jederzeit.

    Dietrich Lade

    Mit diesem Text vollendet unser »Sprachwart« Dietrich Lade 25 Jahre Mitarbeit an DRUCK+PAPIER. Die Redaktion gratuliert und dankt ihm für ein Vierteljahrhundert pointierte und kritische Betrachtungen zu Rede und Schrift!

    Was beim ersten Lade-Beitrag im Juli 1990 nicht vorhersehbar war, geschieht nun: Der Sprachwart rüstet sich fürs digitale Zeitalter. Die Kolumne ist bereits auf die DRUCK+PAPIER-Webseite umgezogen, versammelt hier unsere sprachkritischen Texte und wird weiter bestückt. Auf ein Neues also!