Der Sprachwart

    Verantwortungslos

    Verantwortungslos

    Kann man Leuten, die verantwortungslos, gar verbrecherisch handeln, Verantwortung zuschreiben? Die Frage stellt sich, wenn Medien berichten, Attentäter, vornehmlich des IS, übernähmen für schreckliche Anschläge die Verantwortung. Und die Antwort ist: Nein. Es hieße besser, Terroristen hätten sich zu Bombenangriffen und Anschlägen bekannt; ihre Täterschaft zugegeben, bestätigt, eingeräumt, eingestanden. Oder: Die Akteure hätten kein Hehl daraus gemacht, die jeweilige Gewaltaktion begangen zu haben.

    Der Begriff Verantwortung ist positiv besetzt. „Wir sollten den Menschen zutrauen, dass sie sich engagieren und Verantwortung übernehmen wollen", meint etwa Angela Merkel. Wörterbücher rücken das Wort in die Nähe von: Gewissenhaftigkeit, Moral, Pflichtbewusstsein, Verantwortungsgefühl; Ethik, Gewährleistung, Haftung, Schuldeingeständnis. Gerade von Letzterem sind Terroristen meilenweit entfernt; sie fühlen sich nicht schuldig, glauben, eine Mission zu erfüllen. Manche brüsten sich gar ihrer Untaten, wie Videobotschaften voller Brutalität schon oft bewiesen haben.

    Um Entschuldigung zu bitten fällt ihnen im Traum nicht ein. Das täte nur jemand, der die Verantwortung für etwas übernommen hat und feststellen muss, dass er ihrer trotz gewissenhaften Bemühens nicht gerecht werden konnte. Schon gar nicht wollen solche Gewalttäter für etwas haften, etwas wiedergutmachen. Sie sind also überhaupt nicht willens, Verantwortung zu tragen. Wenn ihnen in der Berichterstattung vieler Medien das Gegenteil attestiert wird, dann gilt, frei nach Theodor Fontane: Man werfe Wortperlen nicht vor die Säue.

    Dietrich Lade